Tipps zur Ernte

Was kann der Landwirt für eine verlustarme und qualitätserhaltende Ernte tun?

Die reguläre Lupinenernte im Zeitraum von Juli bis Mitte September und bei Kornfeuchten unter 18 % sollte bei warmer und trockener Witterung vorverlegt werden. Vor allem bei großen Anbauflächen ist der Einsatz der maximal zur Verfügung stehenden Kapazitäten zu empfehlen (Schachler et al. 2016). Dabei ist eine Abstimmung der Erntelogistik mit anderen Marktfrüchten erforderlich.
Besonders die verzweigten Lupinensorten kennzeichnet eine ungleichmäßige Abreife, was schnell mit erheblichen Körnerverlusten bei der Ernte verbunden sein kann. Blaue Lupinen reifen i.d.R füher ab als Weiße und Gelbe Lupinen, deren Hülsen dafür allerdings deutlich platzfester sind. Determinierte Sorten der Blauen Lupine sind früher reif als verzweigte Wuchstypen, bei denen wiederum Hülsen derselben Pflanze nicht gleichzeitig reifen. Bei der Handernte im Demonstrationsanbau im LUPINEN-NETZWERK konnten im Vergleich zum Praxismittel häufig 30 % höhere Erträge erzielt werden. Auch die geringere Platzfestigkeit der Blauen Lupine verlangt Fingerspitzengefühl. Schon eine kurze Überständigkeit führt hier zu Ertragsausfall. Darüber hinaus werden Ertrag und Qualität der Ernte auch durch häufige Witterungswechsel gemindert. Aus diesen Gründen werden bei der Blauen Süßlupine für Regionen mit feuchter Erntewitterung nichtverzweigte Sorten empfohlen. Verzweigte Sorten reifen i.d.R. später, sollten aber geerntet werden, wenn der Haupttrieb reif ist, da die Körner der Seitentrieben nicht in dem Maße ertragsrelevant sind. Allerdings müssen unreife Hülsen/Körner wegen des höheren Alkaloid-Gehalts im Reinigungsprozess entfernt werden (Bilder 1-8).

Bild 1: unterschiedliche Abreife (links verzweigter und rechts dterminierter Wuchstyp)

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Bild 2-5: unterschiedliche Abreife, Hülsenplatzen und Zwiewuchs durch überreifen Bestand (v.l.n.r.)

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Bild 6-8: verzweigter Wuchstyp, Nachblüte bei feuchter Erntewitterung, unreife Hülsen (v.l.n.r.)

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Bild 9-10: determinierte Wuchstypen mit gleichmäßiger Abreife

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Ungleichmäßige Abreife kann häufig auch auf Standorten mit hoher Heterogenität oder wechselnden Wasserverhältnissen beobachtet werden. Dem kann einerseits mit der Ernte von Teilflächen oder dem Einsatz von zugelassenen Pflanzenschutzmitteln zur Sikkation begegnet werden. Neue Restriktionen bei der Anwendung von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln schränken die Möglichkeit zur Sikkation stark ein.

Zur Sikkation in Futterleguminosen-Beständen zur Saatguterzeugung ist der Einsatz von Reglone (einschließlich entsprechender Vertriebserweiterungen) zugelassen (0,8-3,0 l/ha).

Roundup Rekord/Roundup PowerFlex können in Lupine-Arten (ausgenommen Saatguterzeugung) zur Spätbehandlung gegen ein- und zweikeimblättrige Unkräuter bis 14 Tage vor der Ernte zum Einsatz kommen. Dabei ist eine Wartezeit von 7 Tagen einzuhalten sowie u.a. folgende Anwendungsbestimmung zu beachten: NG 352   Bei der Anwendung des Mittels ist ein Abstand von 40 Tagen zwischen Spritzungen einzuhalten, wenn der Gesamtaufwand von zwei aufeinanderfolgenden Spritzanwendungen mit diesem und anderen Glyphosat-haltigen Pflanzenschutzmitteln die Summe von 2,9 kg Glyphosat/ha überschreitet (Pflanzenschutzdienst der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt (LLG).

Bild 11: ungleichmäßige Abreife durch hohe Heterogenität des Bodens

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Fotos: Dr. A. Gefrom, J. Drewes