Für Genießer: Lupinenkaffee

Aus gerösteten und gemahlenen Lupinensamen lässt sich ein wunderbar aromatischer Kaffee zubereiten. Die Idee, Lupinen für die menschliche Ernährung bzw. als Genussmittel zu verwerten, ist nicht neu. Bereits im Jahr 1918 lud in Hamburg die „Vereinigung für angewandte Botanik“ zu einem „Lupinen-Festessen“ ein. Auf einem Tischtuch aus Lupinenfasern (der reifen Pflanze) wurden diverse Lupinenköstlichkeiten serviert: Lupinensuppe, in Lupinenöl gebratenes und mit Lupinenextrakt gewürztes Lupinenbeefsteak, als Nachtisch Lupinenbutter und Lupinenkäse mit einem Lupinenschnaps und zu guter Letzt ein Lupinenkaffee. Mit den zunehmenden Importen von Eiweiß (in Form von Soja) und Kaffee schwand jedoch das Interesse an diesen „Ersatzprodukten“ schnell wieder, obwohl in der 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts die ersten Züchtungen der Süßlupine auf den Markt kamen.

Inzwischen erlebt die Lupine nicht nur als bodenverbessernde, stickstoffliefernde Pflanze und eiweißreiches Viehfutter sondern auch im Bereich der Humanernährung eine Renaissance. Neben vielen anderen Lupinenprodukten, die aufgrund des hochwertigen Eiweißes vor allem von Veganern geschätzt werden, wird auch Lupinenkaffee allgemein immer beliebter.
Unter den „Ersatzkaffees“ ist Lupinenkaffee geschmacklich dem Bohnenkaffee am ähnlichsten. Er gilt als besonders aromatisch und zugleich magenschonend, da die Lupinensamen im Langzeitröstverfahren bei 150° bis 200°C geröstet werden. Kaffee aus Lupinen ist eine optimale Alternative zu Getreide- und Bohnenkaffee, da er von Natur aus koffein- und glutenfrei ist. Zudem handelt es sich um ein heimisches Produkt, zumeist aus Lupinen im biologischen Anbau, während die Kaffeebohne in Äquatornähe wächst und ein ökologisch nachhaltiger Anbau nur schwer möglich ist.
Im Tourismusland MV geben die nun ausgeweiteten Lupinenanbauflächen der Landschaft ein neues Bild. Bundes-Landwirtschaftsminister Schmidt bezeichnete die Blaue Lupine  als „Lavendel des Nordens“ (am 06.06.2017 bei der Eröffnung der Bio-Rösterei „Land Delikat“ in Barth).

Ein möglichst geringer Proteingehalt der Lupine für die Kaffeeherstellung führt dazu, dass Sorten wie HAAGS BLAUE, die bisher nur als Zwischenfrucht angebaut wurde, oder neue Sorten wie LILA BAER, die zwar mit anderen ackerbaulichen Vorteilen punkten können, aber keinen sehr hohen Proteinertrag aufweisen, so durchaus in hochpreisigen Wertschöpfungsketten Verwendung finden und einen Beitrag für eine höhere visuelle und geschmackliche Vielfalt leisten.

Derzeit werden in Deutschland auf 1,57 % der Ackerfläche Körnerleguminosen (187.000 ha) und davon auf 28.900 ha Lupinen angebaut (2016, Quelle: Statistisches Bundesamt). Mit 15,5 % am Gesamt-Körnerleguminosenanbau ist die Lupine trotz gestiegener Anbaufläche derzeit immer noch ein Nischenprodukt. In der Branche gewinnt die Lupine jedoch auch aufgrund der zunehmenden Einsatzmöglichkeiten in der Humanernährung immer mehr an Bedeutung.
Die größten Innovations- und Absatzpotenziale für Lupinen liegen neben dem Bereich der (gentechnikfreien) konventionellen und der (innerbetrieblichen) ökologischen Futterverwertung im Bereich der Humanernährung.
Ziel der Arbeit des LUPINEN-NETZWERK ist es, Ressourcen zu bündeln, um umstellungswilligen Landwirten zu zeigen, dass rund um die Lupine eine innovative Branche entsteht, die sich gut vernetzt, ständig weiter entwickelt und Lösungen für die Zukunft bereithält.
Das Netzwerk trägt erheblichen Anteil an der Ermittlung und Kommunikation der Ergebnisse (Analytik, Sortenvermittlung, Kontakte, Wissenstransfer), die sich in den letzten Jahren als sehr wertvoll bezüglich der Ausweitung des Lupinenanbau und der -verwertung erwiesen haben.
Aus der Netzwerkarbeit heraus können Innovationen unterstützt, schnell in die Praxis übergeleitet und Forschung initiiert werden.

Mit diesem Newsletter stellen wir Ihnen Betriebe vor, die ihren eigenen Lupinenkaffee vermarkten und die beispielhaft für eine gute Netzwerk-Kooperation stehen.

LandDelikat Bio-Rösterei Michelle & Marcel Rost GbR in Barth (MV)

Familie Rost betreibt ein traditionelles Familienunternehmen, das sich der innovativen Entwicklung und Produktion ausgesuchter Kaffeesorten verschrieben hat.
Wie kam es dazu?

Rost: „Unseren Familienbetrieb haben wir 2009 als Bio- & Feinkosthandel gegründet. 2014 entschieden wir uns für eine mobile Produktionsstätte (Verkaufsanhänger). Dieser ist seit 4 Jahren auf den Bio- und Regionalmärkten der Region unterwegs. Die Mobile Rösterei macht ein fast vergessenes Handwerk wieder erlebbar. Seit unserer Röstausbildung 2008 geisterte der Gedanke im Kopf, auch lokale Rohstoffe zu verarbeiten bzw. zu rösten. Erste Versuche starteten 2011 mit Getreide. Noch im selben Jahr sind wir auf Lupinen aufmerksam geworden. Nach intensiver Auseinandersetzung stand fest, dass wir Lupinen verarbeiten werden. Bis 2015 experimentierten wir mit vielen Sorten. Geeignete Anbauflächen fanden wir nach 2-jähriger Suche im Süden der Insel Rügen in Kransdorf. Der Insel e.V. Kransdorf unterstützt mit seinen Flächen das Projekt und Mario Otto, Landwirt aus Datzow, begleitet den Anbau mit uns gemeinsam. Es entstanden ein Heißgetränk, vegane Naschereien und im Herbst folgen die ersten Aufstriche. Wir befinden uns im dritten Erntejahr, auf 5 ha gedeihen zwei [Sorten, Anm. d. Red.] blaue Süßlupinen…“

Für den „Lupini“-Kaffee wird die Sorte „Haags Blaue“ verwendet.
Mit dem Projekt „Bio-Rösterei: 100 Prozent MV in einer Tasse“ ist das Familienunternehmen Teil des Bundes-Modellprojekts Land(auf)Schwung – Modellregion Vorpommern-Rügen, das vom BMEL gefördert wird. Mit Hilfe dieses Projekts ist es jetzt gelungen, in Barth eine Biorösterei mit Gutsladen zu eröffnen, nachdem Familie Rost zuvor mit einer mobilen Rösterei auf Märkten im Land unterwegs war. Dies ist ein wichtiger Entwicklungsschritt für das Unternehmen. Der Auf- bzw. Ausbau dieser Lupinen-Wertschöpfungskette vom Anbau über die Verarbeitung/Veredelung bis zur Vermarktung trägt zur Stärkung der ganzen Region bei. Inzwischen existieren über 20 Verkaufsstellen im Landkreis Vorpommern-Rügen und das Interesse an Lupinenprodukten wächst weiter. Es besteht eine gute Kooperation mit dem LUPINEN-NETZWERK. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage.

Hier finden Sie einen Beitrag des NDR-Nordmagazins über das Unternehmen.

Bioland Hof Klein (Wertheim–Sachsenhausen, BW)

Der Hof Klein ist ein Bioland-Betrieb in Wertheim-Sachsen­hausen im lieblichen Taubertal, der sich seit mehr als 20  Jahren auf den Anbau der weißen Süßlupine und die Herstellung von Lupinenkaffee spezialisiert hat.

Klein: „Seit 1994 gibt es unseren Lupino. Damit war er der erste Lupinenkaffee, der  überhaupt auf dem deutschen Markt erschien (seit 1918 wieder d.R.).

Übrigens: In manchen Beschreibungen wird der Lupinen­kaffee als eiweißreich bezeichnet – dies stimmt nicht. Die Lupine (Lupinenmehl) ist eiweißreich, nicht aber der Lupinenkaffee. Geröstet wird unser Lupi­nen­kaffee in einer Privat­rösterei in Aschaf­fenburg, bei niedriger Temperatur und mit langer Röstzeit. Lupino ist für jede Kaffee­maschine geeig­net – bei Voll­auto­maten kann es Probleme geben. Sie kön­nen den Kaffee ge­mahlen oder als ganze Bohne be­kom­men, aber Vorsicht: die Bohnen sind härter als Kaffee­bohnen. Wenn Sie Ihren Lupinen­kaffee selber mah­len, mahlen Sie ihn etwas gröber als normalen Kaffee.    Instantlupinenkaffee: So etwas gibt es, aber nicht von uns. Der Lupinenkaffee hat eine gute Ökobilanz (Energieverbrauch, Wasserverbrauch). Mit einem Instantkaffee macht man das alles kaputt. Außerdem wird der Geschmack nicht besser und zudem setzt sich das Kaffeemehl bei der Zubereitung gut am Tassenboden ab. Oder man gibt die Kaffeemenge in einem Papierteefilter in die Tasse.“

Einen Beitrag des SWR über den Lupinenkaffee von Familie Klein können Sie sich bei YOUTUBE ansehen.

Biolandhof Kelly (Herdwangen, BW)

Lupinenkaffee „Lupinello“: Ein Biolandkaffee der besonderen Art.

Kelly: „Lupinello wird aus selbst angebauten Bio-Süßlupinen hergestellt. Trotz der mit dem Bio-Anbau verbundenen Herausforderungen erzielen wir mit diesen Bohnen einen sensationellen Geschmack nach dem Rösten.

Die Lupinen werden auf unserem Biolandhof nach strengen Biolandrichtlinien angebaut, geerntet und verarbeitet. Nach der maschinellen Vorreinigung werden die Samen handverlesen und schonend bei niedriger Temperatur im Langzeitröstverfahren geröstet, bevor sie frisch gemahlen liebevoll verpackt werden.“

Nähere Informationen finden Sie auf der Internetseite des Biolandhofes.

Lupinenkaffee HEIDE original (Fürth, BY)

Erfahrene Röster für Lupinenkaffee sind auch Melanie Schmidtmeier und Rainer Langguth aus Fürth. Ihre Fortezza Espresso GmbH stellt unter dem Label Heide Original dreierlei Sorten Lupinenkaffee her: „Ernte“ (100 % Weiße Süßlupine), „Schöpfung“ (Weiße Süßupine und Chai-Gewürz) und „Mythos“ (mit 20 % Arabica-Kaffee). Die Bohnen werden schonend trommelgeröstet und stammen von Bioland-Lupinen.

Für weitere Informationen über das Label besuchen Sie dessen WebSite. Dort haben Sie auch die Möglichkeit der Bestellung. Darüber hinaus können Sie sich hier auch visuell einen kleinen Eindruck verschaffen.

Weitere Anbieter:

Kaffeerösterei Moness in Balgstädt (ST)

Kornkeis GmbH in Herbrechtingen (BW)